Laktat hat einen Ruf, den es nicht verdient. Es ist nicht die Ursache für brennende Beine, und es ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Es ist ein Brennstoff, den dein Körper zwischen Zellen verschiebt, und seine Konzentration im Blut ist der praktischste Marker, den wir für die Steuerung der Trainingsbelastung haben.
Was Laktat wirklich ist
Shuttle statt MüllLaktat entsteht dauerhaft, in Ruhe genauso wie unter Belastung. Trainierte Muskulatur toleriert es nicht nur, sie nutzt es : Mitochondrien nehmen Laktat auf und verstoffwechseln es. Deshalb bedeutet eine höhere Mitochondriendichte nicht nur mehr Fettoxidation, sondern auch schnelleren Laktatabbau bei gleicher Intensität. Im direkten Vergleich von Profi-Radfahrern und weniger trainierten Männern lag die 4-mmol/l-Marke der trainierten Gruppe bei rund 350 Watt, bei der untrainierten Gruppe bereits bei rund 150 Watt.
Der gleiche Unterschied zeigt sich im Fettstoffwechsel. Professionelle Ausdauerathleten erreichten maximale Fettoxidationsraten von etwa 1,1 g/min, die weniger trainierte Vergleichsgruppe etwa 0,4 g/min, und dieser Punkt lag bei ihnen bei rund 75 Prozent der VO2max statt bei rund 45 Prozent. Laktat ist der Marker, der diesen Unterschied von außen sichtbar macht, mit einem Tropfen Blut aus Ohrläppchen oder Fingerkuppe.
Zone 2 ist physiologisch als die Belastung definiert, bei der das Blutlaktat stabil unter 2,0 mmol/l bleibt. Das ist der Bereich, in dem die mitochondriale Anpassung am stärksten getrieben wird. Entscheidend ist nicht die Zahl an sich, sondern die Wattzahl oder das Tempo, bei dem du sie persönlich erreichst.
Die beiden Schwellen : LT1 und LT2
Wo locker aufhört und hart anfängtLT1 ist der erste Anstieg über den Ruhewert. Darunter halten sich Bildung und Abbau die Waage, und du kannst die Belastung lange halten. LT2 ist die höchste Intensität, bei der sich Laktat noch stabilisiert ; darüber steigt die Konzentration weiter, und die Belastung hat eine Uhr. Dazwischen liegt der Bereich, der sich produktiv anfühlt und es oft nicht ist : zu hart, um Volumen aufzubauen, zu leicht für einen starken Reiz.
Aus diesen zwei Punkten ergeben sich die Trainingszonen direkt. In der für Elite-Ausdauerathleten beschriebenen Intensitätsverteilung liegen etwa 75 bis 80 Prozent der Einheiten unterhalb der ersten Schwelle, 5 bis 10 Prozent im Bereich dazwischen und 15 bis 20 Prozent oberhalb der zweiten. Systematische Übersichtsarbeiten zu hochtrainierten Distanzläufern beschreiben ein vergleichbares Bild mit größerem Schwellenanteil : rund 80 Prozent niedrige Intensität, 15 Prozent Schwelle und 5 Prozent darüber bei Marathon-Spezialisten, und rund 65 / 25 / 10 bei 5-km- bis 10-km-Spezialisten.
An der zweiten Schwelle entscheidet sich auch die Ausdauerleistung. Im klassischen Drei-Faktoren-Modell ist das Wettkampftempo das Produkt aus VO2max, dem dauerhaft nutzbaren Anteil dieser VO2max und der Bewegungsökonomie. Bei männlichen Elite-Marathonläufern liegt dieser nutzbare Anteil bei etwa 85 bis 90 Prozent der VO2max. Zwei Athleten mit gleicher VO2max können über die Marathondistanz Minuten auseinanderliegen, allein weil ihre zweite Schwelle woanders liegt.
Warum messen statt schätzen
Formelzonen kennen dich nichtZonen aus einer Altersformel oder aus einer Uhren-Schätzung unterstellen einen Durchschnittsmenschen. Die Zahlen oben zeigen, wie groß die individuelle Spanne tatsächlich ist : die Belastung, bei der Laktat 4 mmol/l erreicht, unterschied sich in derselben Studie zwischen trainierten und weniger trainierten Männern um mehr als den Faktor zwei. Ein Prozentsatz einer angenommenen maximalen Herzfrequenz bildet das nicht ab.
Das zweite Problem ist die Spezifität. Ausdaueranpassungen sind weitgehend modusspezifisch : der VO2max-Zuwachs zeigt sich vor allem in der trainierten Modalität, dort etwa 5 bis 10 Prozent gegenüber etwa 1 bis 3 Prozent in einer untrainierten Modalität, und Schwellenverschiebungen verhalten sich genauso. Eine auf dem Rad gemessene Schwelle ist eine Rad-Schwelle. Wer damit läuft, schätzt wieder.
Was das je Sportart bedeutet
Gleiche Physiologie, anderes ProfilLaufdistanzen sind hier eine brauchbare Landkarte, weil der Anteil aerober und anaerober Energiebereitstellung über diese Distanzen an hochtrainierten Athleten gemessen wurde. Je kürzer die Distanz, desto größer das Sauerstoffdefizit ; je länger sie wird, desto stärker entscheiden die aerobe Seite und der dauerhaft nutzbare Anteil der VO2max. Fitness-Sportarten lassen sich auf derselben Achse einordnen.
| Distanz | Profil |
|---|---|
| 200 m | anaerob dominant, sehr hohes Sauerstoffdefizit |
| 400 m | hohes Sauerstoffdefizit, moderate VO2max, moderate fraktionelle Auslastung |
| 800 m | gemischt, aerober Anteil bereits über 50 Prozent |
| 1500 m | aerob dominant, begrenztes Sauerstoffdefizit, hohe Auslastungsschwelle |
Quelle : Spencer & Gastin 2001, hochtrainierte Läufer.
Ähnelt der 400-m-Belastung
Hohes Sauerstoffdefizit, moderate VO2max, moderate fraktionelle Auslastung. Die Konsequenz fürs Training : Zone-2-Arbeit gehört in die Off-Season, in der Saison behalten Kraft und Power Priorität. Die Laktatmessung sagt dir vor allem, wo dein Locker wirklich liegt, damit Grundlage nicht unbemerkt zur nächsten harten Einheit wird.
Ähnelt der 1500-m-Belastung
Begrenztes Sauerstoffdefizit, hohe VO2max und eine hohe fraktionelle Auslastungsschwelle. Die Konsequenz : hohes Laufvolumen mit 70 Prozent und mehr locker, Kraft und hochintensive Arbeit bewusst begrenzt. Hier ist die zweite Schwelle die leistungsbestimmende Zahl, weil der Wettkampf nahe an ihr gelaufen wird.
Peripher maximiert
Weltklasse-Distanzläufer bauen den Motor über Volumen : 160 bis 220 km pro Woche in der Marathon-Vorbereitung, 11 bis 14 Einheiten pro Woche, und ganzjährig mindestens 80 Prozent dieses Volumens bei niedriger Intensität. Die gemessene erste Schwelle ist das, was diese lockeren Kilometer wirklich locker hält.
Drei Disziplinen, drei Schwellen
Anpassungen übertragen sich zwischen Modalitäten, aber nur teilweise und asymmetrisch : Rad auf Lauf etwa 60 bis 80 Prozent, Lauf auf Rad etwa 80 bis 90 Prozent, Schwimmen auf die Landdisziplinen etwa 30 bis 50 Prozent. Weil auch Schwellenverschiebungen modusspezifisch sind, ist es sinnvoll, die Schwellen für die Disziplinen getrennt zu bestimmen, die du im Wettkampf tatsächlich gehst.
Was du mit den Werten machst
Zonen, Steuerung, RetestErstens die Zonen : aus deinen zwei Schwellen werden Tempo- oder Wattbereiche, und jede Einheit bekommt einen definierten Platz. Zweitens die Steuerung : Volumen mal Intensität ist ein guter Prädiktor sowohl für den Mitochondriengehalt als auch für die VO2max, der Plan muss also einer sein, den du Woche für Woche verträgst und wegsteckst. In den zusammengefassten Humandaten folgt die Mitochondriendichte eng dem kumulierten Trainingsvolumen (R² = 0,82), wobei die Kurve bei sehr hohem Volumen abflacht.
Drittens der Retest. Verschiedene Reize wirken auf verschiedenen Zeitskalen : Sprint-Intervalle heben die VO2max schnell und plateauen dann nach wenigen Wochen, kontinuierliches Ausdauertraining steigt langsamer, dafür länger, und deutliche Effekte von Ausdauer- und hochintensivem Training summieren sich über etwa fünf bis zehn Interventionswochen und darüber hinaus. Die Trainierbarkeit selbst bleibt lebenslang erhalten. Erst ein Retest unter gleichen Bedingungen zeigt dir, welche deiner zwei Schwellen sich tatsächlich bewegt hat.
Bei StoaVita bekommst du genau das im Coaching-Kontext, ohne Diagnosen : einen Laktat-Stufentest in deiner Sportart, deine zwei Schwellen, die daraus abgeleiteten Zonen und einen festen Retest-Termin.
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Quellen (Primärliteratur)
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Dieser Artikel dient der Aufklärung und ersetzt keine medizinische Beratung. StoaVita bietet Longevity- und Performance-Beratung, keine medizinische Behandlung.